Caravaggio

Derek Jarman verfilmt 1986 das Leben des letzten großen Malers der italienischenRenaissance Michelangelo Merisi, der sich nach seinem Geburtsort Caravaggio nennt. In Form einer experimentellen Annäherung beleuchtet der wohl berühmteste britische Filmemacher der 80er Jahre vor allem den Aspekt eines Künstlers, der zwischen der Welt seiner Förderer und Gönner und jener seiner mittellosen Modelle hin- und hergerissen ist, letztlich in allen sozialen Sphären zum Außenseiter wird und am Ende einer ungewollt durch ihn ausgelösten Intrige zum Opfer fällt. Die filmische Biografie des Malers, den Jarman bewusst in die Nähe Pasolinis oder Genets rückt, erzählt mindestens genauso viel über den Künstler Derek Jarman (der selbst Malerei studiert hat) wie über den Renaissance-Maler: Beide haben zu Lebzeiten mit ihrem künstlerischen Werk sowohl großen Einfluss ausgeübt als auch für Aufregung gesorgt. Nicht wenige Zeitgenossen nahmen an der kontroversen Ausstrahlung der Werke und an der &xnbsp; ständigen Provokation der moralischen Sitten des Entstehungskontextes Anstoß.

      

Aufsehenerregend und adäquat ist Jarmans visuelle Gestaltung des Künstlerportraits: wie Caravaggio, der als wichtigster Vertreter des clair-obscur gilt (der dramatischen, nicht-realistischen Lichtgestaltung), meißelt der Filmemacher nur die Teile des Bühnenbilds aus dem Dunkel, die in der Szene eine dramatische Bedeutung haben. Dieses Konzept, aus der Notwendigkeit geboren, einen historischen Film mit einem minimalen Budget drehen, hat Jarman später weiter entwickelt (EDWARD II., WITTGENSTEIN) und es wird heutzutage z.B. von Lars von Trier (in seiner ‚Amerika-Trilogie’) aufgegriffen. Für CARAVAGGIO erhielt Jarman 1986 auf der Berlinale einen Silbernen Bären für die besondere künstlerische Gestaltung.

    

UK 1986, Länge: 93 min, FSK 12, Format: 16:9
Sprache: englische Originalfassung, Untertitel: deutsch
Extras: Interviews mit Tilda Swinton & Nigel Terry, Bilder-Galerien, Vorschau

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